Und wieder ein Jahr....

 

 

…und doch (m)ein Leben…mit Angst – mit Wut – mit Trauer, mit Freude, mit Scham, mit Frieden, mit Rastlosigkeit, mit Hoffnung, mit Mut, mit lange(n)m Weilen

 

Also doch ein Leben……Mein Leben in dieser Form

 

Und ich habe wieder viel gelernt…und nicht weil ich krank bin – sondern weil das meine Natur ist und weil ich das zum (über)leben brauche:–

 

  • Vor(aus)Sicht - hat was Gutes - Sie macht mich wachsam – sie lässt mich aufmerksam nach hilfreichen Informationen schauen – sie gibt mir die Kraft trotz des vielen Nebels im Hirn – meine Lage zu analysieren – Entscheidungen zu treffen oder mir Menschen zu suchen – die mir dabei helfen oder Menschen zu meiden die mir nicht gut tun.

  • Wut – ist ein zulässiges Gefühl!!! Wut ist groß und mächtig – daher mit Vorsicht zu „erleben“ vor Allem als cfs-Betroffene®)) – der Körper pulsiert auf – der Blutdruck steigt….das Herz klopft wie verrückt – an Schlaf nicht zu denken – die Gedanken überschlagen sich…aber sie hilft

  • Aktiv zu werden und Grenzen zu setzen – und…ich muss nicht alles „dankbar“ annehmen was mir „wohlmeinend“ angetragen wird – ich bleibe in analytischer Distanz – ich kenne meinen Wert – ich muss in mir nicht im Außen erarbeiten – ich spüre mein Körper will sich wehren – auch wenn ihn das überflutet - …ich bin noch am Leben – ich glaube an Möglichkeiten – versuche Kreativ zu sein – vor Allem und zunächst im Denken – und wenn das Leben sich dann tatsächlich ein bisschen darum herumformt…bin ich erstaunt und dankbar….

  • Trauer – traurig – trau mich…Trauer – o.k – es geht immer noch schlimmer – aber so…war mein Leben nie angedacht…ich komme zu Recht ….das heißt nicht, dass ich mich häuslich in meiner kleinen Welt eingerichtet habe – abgesehen davon …sie ist immer gefährdet – durch äußere oder innere Einflüsse – durch Lebenswogen für die mir die Kräfte fehlen – durch funkende Zähler – die bis in meinem Wohnraum vordringen – und all mein mir erarbeitetes wieder zunichtemachen können – durch Monotonie – die meinen Geist weiter einschläfert – durch zu viel Sehnsucht nach Zuviel…durch Lebenszeit die mir durch die Finger rinnt – und ich nicht so gestalten kann – nicht so beitragen kann - …Trauer – traurig – trau mich…mein Leben trotzdem weiter.

  • Freude/Interesse/Neugier…andere Freuden finden – an frühere Freuden anknüpfen – dem Leben – meinem Leben neu angepasst – was macht den Freude eigentlich aus? Geschieht sie einfach – kann man drauf warten – wo spüre ich sie im Körper - kann ich sie auslösen – und was geschieht mit mir wenn sie weiterzieht? Kann man neue Freuden finden – was ist das eigentlich genau? Und wenn ja wie lange?

  • Die Vergänglichkeit hautnah spürbar – ohne vor dem Todestor zu stehen – zumindest nicht mehr als andere – aber vor dem täglichen Verschwinden im Zimmer, Liegen – Liegen…. – in mir - mit mir – nur mit mir– im Gleichklang – Freude – wenn nichts weh tut…Freude wenn ich gehen kann von einem Zimmer zum nächsten – ist das auch Freude. Freude wenn ich draußen bin…aber anderen können das nicht…die Welt versinkt im Chaos…darf ich mich freuen???!!! Was ist das denn nun genau?! Wie fühlt sich das an – im Körper – was macht das mit mir?

 

Wie begegne ich Menschen – die glauben zu wissen wie das Leben funktioniert? Und meinen das predigen zu müssen? Ich stelle sie mir vor – ohne ihre Arbeit – ohne die Möglichkeit liebe Menschen zu treffen – ohne Gestaltungsmöglichkeiten ohne Ablenkung – ohne medizinische Hilfe – allein gelassen nur mit sich und ihrer Zeit – ihrer vielen, vielen Zeit….wie wären sie dann? Wie würden sie das aushalten? Wie würden sie sich aushalten – ausschließlich nur sich und ihre Gedanken über sich – ihren Erinnerungen – ihren Wünschen – ihrer Zeit – ihrer Zimmerdecke – falls sie so gesegnete sein sollten – einen verträglichen Wohnraum zu haben.

 

Das relativiert – macht mich gelassener – denn sie wissen es nicht. Und manchmal macht es mich einfach nur traurig und einsam und auf eine andere Weise müde. So ist das eben.

 

Ich fordere meine Umwelt heraus – langsamer und geduldiger zu werden! Wenn Menschen aus dem Herzen sprechen und in Ruhe – verliere ich mich seltener – wenn sie aus ihren Masken und Routinen heraus sprechen…v e r s t e h ich sie oft nicht.

 

Ich fordere mich heraus, das Leben fordert mich heraus - …was ist möglich – wie werden Dinge möglich – was brauche ich eigentlich und im wesentlichen – was braucht mein Körper – mein Gehirn – mein Wesen? Was und in welcher Form ist mir davon noch zuträglich – was – mache ich mit der Zeit – mit mir? Ich übe mich im Mitschwingen – und Mitkreieren – im Mitgestalten meiner Glaubenssätze, im Verändern und Hinterfragen – aber auch im Aushalten – im mentalen Freigang -  manchmal ist das Jetzt voll – manchmal ist es leer – das ist eigentlich alles. Ich kann damit experimentieren was geschieht und eben was nicht geschieht – wo ich hin will und welcher kleinste mögliche Schritt meinem Universum die Richtung weisen könnte….und erkenne, dass ich nie diese gewesen bin von der ich dachte ich sei es…ich kann ganz erstaunt sein…Rilke schreibt:

 

 

"Forsche jetzt nicht nach den Antworten,
die dir nicht gegeben werden können,
weil du sie nicht leben kannst.
Und es handelt sich darum, alles zu leben.
Lebe jetzt die Fragen,
vielleicht lebst du dann allmählich eines fernen Tages
in die Antwort hinein." 
 

Rainer Maria Rilke

 

Und mit und ohne Antwort – meine Seele bleibt - …und wir gehen alle den Weg des Endlichen…und ich fange an auf meinen Geist zu achten – es ist dieser Moment – ich kann ihn bewerten - …ich kanns auch lassen.

 

Wichtiger scheint mir, in dieser schnellsichverändernden - wie mir scheint sehr chaotischen Außenwelt – sich im eigenen Chaos nicht zu verlieren – den Geist zu klären – mit ihm zu spielen – Leichtes und Schweres zuzulassen – hinter die Masken zu sehen – auch hinter die eigne – oder der Illusion der eigenen vermeintlichen Geschichte…mein Geist weht wie Ebbe und Flut in diesen Gezeiten – geschieht oder geschieht auch nichts…es macht keinen Unterschied.

 

Natürlich macht es einen Unterschied……ich will mehr!

 

Trotzdem habe ich angefangen das Lächeln zu üben…die Welt erschüttert mich im Sinne des Wortes wirklich täglich – ich kann sie mir unmöglich schön reden…aber ich kann………….grundlos Lächeln…….für ein paar Minuten am Tag – kann ich liegen und grundlos Lächeln – das ist alles - in den Stunden in denen ich liege – kann ich die Welt nicht “retten” – die nicht da draußen und die nicht in mir…darum kann ich Lächeln – grundlos Lächeln – einfach so – in meine Existenz hinein – Augenblicke in den ich Selbst grundlos – aber auch ohne Grund und Boden existieren darf…….das ist alles.

 

 

An den langen Tischen der Zeit

 

Wird verhandelt

Wird gebangt

Wird gehofft

 

An den langen Tischen der Zeit

 

Wird gewerkelt von feinsinniger Hand

 

An den Tischen der langen Zeit

 

Ist viel Platz

Sie rennt nicht davon

Sie geht nicht verloren

Sie ist nicht zäh

 

Die Zeit sitzt dir geduldig gegenüber

Das Ticken ist immer gleich

 

Aber wenn sie dich ansieht und aufsteht

Und durch die Tür geht

Musst du mit.

 

 

Ich suche den disziplinierten Rhythmus mich mit der „Welt“ zu beschäftigen - und dann wieder das zu sehen was direkt um mich ist – nur das – was ganz eng um mich ist – und dann gibt es Zeiten für kleine Zukunftsperspektiven – Ziele – die meinen Geist antreiben – und dann bin ich wieder einfach nur mitten in der Zeit des Tages…. ich wäre nicht ich – wenn ich eins davon ausließe – aber wenn mein Geist eingeschränkt ist – und kognitive Beschwerden zunehmen – verschwindet die Welt von „allein“ – und mir wird immer klar – alles was ist – ist nicht beständig – ich bin nicht beständig  und wir leben alle nur auf diesem einen Planeten….wir sollten uns alle und ständig – und auch unserem Mutterplaneten gegenüber versuchen uns das Leben nicht gegenseitig schwer zu machen – wir gehen am Ende alle den gleichen Weg – das treibt mich an – immer mehr meiner Seele zu begegnen, diesen Körper zu achten – und meine Fragen zu leben – von Moment zu Moment.

 

 

 

 

Gedanken 2018