Gedanken zu gesetzlichen Vorgaben

wie "festgesetzt" sind gesetzliche Vorgaben und...

Passt ME-CFS + MCS einfach nicht ins "System"?

 

Das Gesundheitswesen in Deutschland ist Marktware, das heißt die Krankenhäuser werden und sind schon viele privatisiert. Sie müssen sich auf dem „Mark“ behaupten und damit „gewinnorientiert“ arbeiten.

 

www.aerzteblatt.de/archiv/56239/Folgen-der-Privatisierung-von-Krankenhaeusern-Die-Spielregeln-sind-willkuerlich

 

Wie aber erwirtschaftet ein Krankenhaus „Gewinn“? Seit 2004 werden Behandlungen in Krankenhäusern bundesweit nach diagnosebasierten Fallpauschalen, den sogenannten "Diagnosis Related Groups" (DRG), abgerechnet. Mit den DRG-Fallpauschalen wird die Höhe der Krankenhaus-Entgelte nach Art und Schweregrad der diagnostizierten Krankheit eingestuft.

Für jede genau definierte Erkrankung und ihre Behandlung im Rahmen stationärer Klinikaufenthalte sind bestimmte pauschale Beträge festgelegt, die die Klinik erstattet bekommt: die Fallpauschalen. Sie werden unabhängig von der Verweildauer der Patienten in der Klinik gezahlt.  Das heißt:

 

  • Je mehr „Fälle“…umso mehr Gewinn

  • Je niedriger die Verweildauer…umso mehr „Fälle“ möglich

www.krankenhaus-statt-fabrik.de

 

Außerdem:

 

Hat sich unter DRG-Bedingungen der Trend zur Fragmentierung von Behandlungen verstärkt. Haupt-und Nebendiagnosen werden unterschiedlich abgerechnet…Spezialisten beschränken sich auf einen kleinen Ausschnitt anstatt auf die gesamten Zusammenhänge im menschlichen Organismus.

 

Und:

  • Je unlukerativer die Diagnosen – also Patienten mit viel (zeitlichem) Aufwand oder Multisystemerkrankungen – je geringer die Gewinnmarge.

www.aerzteblatt.de/archiv/53507/Auswirkungen-der-DRG-Einfuehrung-Die-oekonomische-Logik-wird-zum-Mass-der-Dinge

 

Das ist nicht nur für die Patienten sondern auch für die Ärzte eine prekäre Situation, wie hier im Ärzte-Appell zu sehen, die sich gegen das Diktat der Ökonomie in Krankenhäusern wenden.

Viele Ärzte und Ärztinnen erleben im Krankenhaus unlösbare Konflikte. Sie sollen Patienten heilen - und mit ihnen Gewinne erzielen. Die Missstände sind so gravierend, dass sich 215 Ärztinnen und Ärzte als Einzelpersonen sowie 19 Organisationen geschlossen hinter den Ärzte-Appell stellen.

www.aerztekammer-berlin.de/40presse/15_meldungen/000022_Aerzte-Appell.html ...von 2019

 

Auszug aus dem Appell:

 

  • "Der fatale Effekt: Patienten rechnen sich - egal wie krank sie sind - in diesem System vor allem, wenn an ihnen viele "Prozeduren" durchgeführt werden. In der Fallpauschalen-Logik sind das alle Eingriffe von einer Spritze über Magenspiegelungen bis hin zu großen Operationen."
  • „Nicht ökonomisch interessant ist es, wenn Krankenhausärzte mit Patienten sprechen, über die richtige Diagnose nachdenken und in der Fachliteratur nachforschen, oder wenn sie Patienten erst beobachten, bevor sie in ungezielten Aktionismus verfallen. „

https://www.aerzteblatt.de/archiv/53507/Auswirkungen-der-DRG-Einfuehrung-Die-oekonomische-Logik-wird-zum-Mass-der-Dinge

 

Die Problematik für CFS-ME und MCS Patienten liegt auf der Hand – abgesehen von den krankheitsspezifischen Anforderungen an eine nicht überlastende und verträgliche Umgebung, gibt es weder:

 

  • Zeit und Raum für eine minimalinvasive aber dafür zeitaufwendigere Diagnostik (Die meisten Untersuchungen für ME-MCS Patienten die hilfreich wären und Aufschluss geben könnten werden auch nicht über die Krankenkasse abgerechnet...finden daher, einfach nicht statt)

  • Die zugeordnete Hauptdiagnose dürfte in den seltensten Fällen tatsächlich CFS-ME oder MCS heißen (ich weiß jetzt nicht ob diese überhaupt in den DRG´s abgebildeten sind)

  • An den Antworten von Landes-und Bundesregierungen auf verschiedenen Anfragen von Politikern lässt sich entnehmen…“dass keine relevanten Fallzahlen in Deutschland gesehen werden“ und damit natürlich auch keinen Bedarf für Veränderungen.

Siehe: lebenszeit-cfs.de/downloadme-mcs.html

 

Übrigens: Wer entscheidet eigentlich, was die Krankenkasse bezahlt und was nicht?!

 

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA)

Der G-BA ist das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen und wird über das SGB V geregelt.

Der Ausschuss regelt u.a. welche Therapie-und Diagnostikformen von der Krankenkasse bezahlt werden.

 

  • Die Akteure des Ausschusses: Vertreter der Krankenkasse und der Leistungserbringer.

  • Nichtakteure: Patientenorganisationen (sie haben, so wie es der Gesetzgeber will, kein Stimmrecht)

 

Mehr dazu unter: lebenszeit-cfs.de/me-dizinische-paradigmen

 

Durch das mangelnde Interesse (oder die Bewusstheit der Notwendigkeit) verschiedener Bereiche, sind kaum Kenntnisse über die Besonderheiten von ME oder MCS bekannt - und entsprechende Abgrenzungen zu anderen Erkrankungen finden nicht statt. Dabei gab es bereits 1996 Anfragen über die Versorgungssituationen von ME-CFS betroffenen Patienten in Deutschland!

 

Bis ein ME-CFS oder MCS Betroffener überhaupt ins Krankenhaus geht liegen bereits hochgradige Symptome wie: akute Herzbeschwerden, schwere Vergiftungserscheinungen, Zusammenbruch des Immun-oder Organsystems vor…oder für den Patienten oder Angehörigen selbst unklare Symptome die nicht im Zusammenhang mit ME oder MCS betrachtet werden.

Sollte dann im Krankenhaus „keine organischen Ursachen gefunden werden“…bleiben psychische Zuschreibungen wie Somatisierungsstörungen, Panikattacken, Ängste und Depressionen.

(In psychiatrischen Kliniken gibt es das sogenannte PEPP, das steht für „Pauschalierendes Entgeltsystem in Psychiatrie und Psychosomatik“)

 

Insoweit landen bei den zuständigen Stellen keine statisch relevanten Zahlen über die Haupterkrankung: ME oder MCS

 

Auch niedergelassene Allgemein- und Fachärzte haben leider kaum bis gar keine Kenntnisse über die Zusammenhänge von ME-CFS und MCS und besonders die Odyssee von Neuerkrankten ist gekennzeichnet durch:

 

  • Fehlbehandlungen die den Zustand verschlechtern

  • Verlieren von Zeit mit sinnvollen Behandlungen und Alltagsveränderungen

  • Fehlende Aufklärung über die neue Lebenssituation

  • Diskriminierung durch unterschwellige oder sehr direkt Hinweise auf psychische Einbildungskräfte (siehe hierzu S3-Leitlinie: Umgang mit Patienten mit nichtspezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden)

  • ...und wer in diesem System gelandet ist bekommt kaum mehr körperliche Untersuchungen…der Neurologe klärt in den seltensten Fällen dies mit anderen Fachärzten ab!

 

Trotzdem verbleiben unisono die Antworten auf politische Anfragen der Landesregierungen wie auch der Bundesregierung:

 

….“Die medizinische Versorgung ist ausreichend“…es wird keinen „Bedarf an einer Veränderung“ gesehen, man wolle sich nicht bei den „Ärztekammern“ einmischen (sind für die Fortbildung der Ärzte zuständig“…

 

Aber so langsam bewegt sich etwas!

 

März 2020:

 

Parlamentarisches Fachgespräch über ME/CFS im Bundestag!

 

Thema: ME/CFS-Versorgung in Deutschland

  • Wie können Potenziale genutzt und die Versorgung verbessert werden.

Die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS und MillionsMissing Deutschland haben, in Zusammenarbeit mit der Berliner Charite und der Kinderklinik TU in München, sowie mit der Patientenbeauftragten im Bundestag – dieses Fachgespräch ermöglicht.

 

Die Einladungsliste zeigt auf - wie komplex die Zusammenhänge sind und wie viele Stellräder wichtig sind um an der Gesamtsituation der ME-Betroffenen etwas zu verändern!

Mitarbeiter/innen des Bundesministeriums für Gesundheit, Bildung und Forschung, Arbeit und Soziales, gesundheitliche Sprecher, Mitglieder der Ausschüsse Gesundheit, Arbeit und Soziales sowie Bildung und Forschung. Fraktionsvorsitzende, Gesundheitsreferenten der Landesregierungen, Vertreter der Kassenverbände, der deutschen Rentenversicherung, der Bundesärztekammer, Vertreter von Sozialverbänden, medizinische Experten, ME/CFS Forscher sowie die Vorsitzenden der Lost-Voice und des Fatigatio e.V.

 

Im Juni 2020

 

...forderten nun die Betroffenen und die Patienteninitiativen in Deutschland einen runden Tisch mit Politik, Wissenschaft und Patientenorganisationen:

https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit-oekologie/chronische-krankheit-mecfs-betroffene-fordern-einen-runden-tisch-in-deutschland-li.89592(28.06.20)

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/chronisches-fatigue-syndrom-lichtblick-fuer-zwei-millionen-me-cfs-patienten-in-europa/25957826.html

 

Die Lost Voices Stiftung, Fatigatio e.V sowie MillionsMissingDeutschland und die deutsche Gesellschaft für ME/CFS…setzen sich nun gemeinsam weiter für Verbesserungen der Situation der Betroffenen ein.

 

Im Juli 2020

Denn das EU-Parlament sieht ein hohes Risiko sozialer Ausgrenzung der von ME/CFS Betroffenen.

Und wünscht daher dass:

 

  • Durch Sensibilisierung und zusätzliche Finanzierung von Forschung soll erreicht werden, dass die Stigmatisierung der Betroffenen durch den fehlenden Wissensstand in der Medizin abgebaut wird.

 

  • Eine koordinierte und umfassende Datenerhebung zu dieser Krankheit innerhalb der Mitgliedstaaten und fordert eine verpflichtende Berichterstattung in allen von ME/CFS betroffenen Mitgliedstaaten;

Hier die Seite des Europaparlaments mit allen wichtigen Punkten ihrer Erläuterungen

https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/B-9-2020-0186_DE.html

Und hier die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS:

https://www.mecfs.de/europaeisches-parlament-verabschiedet-resolution-zu-me-cfs/

 

In anderen Ländern ist ja zumindest ME/CFS kein Fremdwort mehr und führt so zu Ansätzen der Verbesserung in der Versorgung der Patienten.

 

So entstand beispielsweise in Oslo bereits im Jahre 2008 eine eigene Klinik für ME/CFS-Patienten, die auch auf die Versorgung Schwersterkrankter eingerichtet ist aber auch im ambulanten Bereich auf die jeweiligen Schwergrade eingeht.

 

In den USA existieren bereits mehrere spezialisierte Kliniken.

 

In England ist ME kein Fremdwort – und im europäischen Parlament wurde das Thema, dank E.Van-Brink ernsthaft besprochen.

 

Es gibt wirklich eine Vielzahl von Literatur aus dem Ausland, renommierte Forscher und Ärzte setzen sich ernsthaft mit dem Thema seit Jahren auseinander….!

 

 

Ja – aber in Deutschland ist das (bis jetzt) irgendwie anders…besteht gar eine Angst…all die Versäumnisse und das erzeugte Leid zugeben zu müssen?

 

Oder schafft man es - lösungsorientiert nach vorne zu sehen und so die bisherige desolate Lage der Betroffenen in vielen Bereichen endlich zu erleichtern?! 

 

 

Anmerkung:

 

ME/CFS und MCS sind krankheitsspezifisch nicht gleichzusetzen. Jedoch überlappen sich beide Erkrankungen oft. Dies scheint mir nicht ungewöhnlich.

  • Als Folgen von MCS kann sich ein CFS entwickeln und die Folgen von ME können wiederum reduzierte Entgiftungsmöglichkeiten sein.

So oder so hilft es keinem gesunden Menschen und schon gar keinem Multi-Organ-Erkrankten oder Immungeschwächten Menschen sich mit Giftstoffen weiter zu belasten. Insbesondere da kranke Menschen sehr viel Zeit in Innenräumen verbringen und viel weniger Bewegung haben...dies beeinträchtigt im Laufe der Zeit in hohem Maße die Möglichkeiten der Selbstentgiftung...die Lymphe fließt nicht mehr richtig, die Verdauung dürfte sich verlangsamen, das Aufnehmen weitere Schadstoffe, die sich im Stoffwechsel, im Gewebe und im Gehirn ablagern, sind stark weiter schädigend!

Im Unterschied zu ME - hat ein "rein" (moderat) MCS-Betroffener noch mehr körperliche Kräfte, solange er sich in einer schadstofffreien Umgebung aufhält, sollte sein Körper nicht schon grundlegend von toxischen Stoffen belastet sein und bereits erhebliche Schädigungen in Körper und Gehirn vorliegen.

 

Auch wenn selbst innerhalb der ME/CFS Betroffenen und Aktiven das Thema MCS kontrovers behandelt wird - kann ich nur dazu sagen, dass gerade auch ein ME-Betroffener darauf achten sollte:

 

  • wie Schadstofffrei ist der Raum in dem sich der Erkrankte hauptsächlich aufhält (liegt)
  • welche Nahrung nimmt er zu sich
  • welche Kleidung trägt er
  • welche Pflegemittel werden benutzt
  • welche Putz-und Reinigungsmittel im Raum
  • welche Möbel befinden sich in seiner unmittelbaren Nähe
  • welche Waschmittel werden für Kleidung und Bett genutzt
  • und...ja - ich sags trotzdem...wie viel Strahlung ist er permanent ausgesetzt?
  • gibt es (neue) elektronische Geräte und Kabel in seiner Umgebung (Flammschutzmittel riecht man nicht...ist aber sehr toxisches Nervengift)

 

Es kann schließlich für keinen (gesunden) Menschen und schon gar nicht für einen chronisch kranken Menschen sinnvoll sein, Organe wie die Leber, die Nieren, den Darm, die Lungen, die Atemwege, die Nervenzellen oder die Mitochondrien weiter mit toxischen Substanzen zu belasten.

 

(Dies schreibe ich, da oftmals ME-CFS und MCS sehr getrennt behandelt werden)

 

Mehr Gedanken von Gründen, die zu diesen Widerständen führt, Veränderungen herbeizuführen, hier unter: lebenszeit-cfs.de/me-dizinische-paradigmen.html