Gedanken zu gesetzlichen Vorgaben...

oder die Fallpauschalenlogik im Gesundheitssystem

Passt ME-CFS + MCS einfach nicht ins "System"?
und inzwischen auch PostCovid und PostVac?!

(Es passt auch deswegen nicht ins System - weil Multiorganerkrankte - mit möglicherweise sogar vermeidbaren Ursachen - einfach nicht "erwünscht" sind...- oder "was nicht sein kann - auch nicht sein darf".)

 

Aber zurück zum politischen Umgang und Denken im Gesundheitssystem

 

Das Gesundheitswesen in Deutschland ist Marktware, das heißt die Krankenhäuser werden und sind schon viele privatisiert. Sie müssen sich auf dem „Mark“ behaupten und damit „gewinnorientiert“ arbeiten.

 

www.aerzteblatt.de/archiv/56239/Folgen-der-Privatisierung-von-Krankenhaeusern-Die-Spielregeln-sind-willkuerlich

 

Nicht nur die Patienten auch Menschen die im medizinischen und pflegerischen Bereich tätig sind – wünschen dringend eine Veränderung im Gesundheitssystem. Hierzu setzen sich zum Beispiel die „Bunten Kittel“ ein. Sie fordern eine Abkehr von Profitorientierung und Privatisierung im Gesundheitssystem!

D e n n : Kosten werden gespart - am Patienten, an der Zeit, am Pflegepersonal, am Schlüssel für Ärzte- und Ärztinnen...

www.bunte-kittel.de/forderungen

Wie aber erwirtschaftet ein Krankenhaus „Gewinn“? Seit 2004 werden Behandlungen in Krankenhäusern bundesweit nach diagnosebasierten Fallpauschalen, den sogenannten "Diagnosis Related Groups" (DRG), abgerechnet. Mit den DRG-Fallpauschalen wird die Höhe der Krankenhaus-Entgelte nach Art und Schweregrad der diagnostizierten Krankheit eingestuft und steuern damit Kosten und Gewinn eines Erkrankten!

 

  • Je mehr „Fälle“…umso mehr Gewinn

  • Je niedriger die Verweildauer…umso mehr „Fälle“ möglich

www.krankenhaus-statt-fabrik.de

 

Was hat ME/CFS und andere chronische Erkrankungen nun mit den Fallpauschalen (DRG´s) zu tun?

Bestimmte Diagnosen bringen einfach kein Geld…Minimalinvasive Behandlungen bringen kein Geld – Zuhören – Beobachten – zur Ruhe kommen lassen – Zeit für Heilung…bringt kein Geld!

  • Nichtanerkannte Diagnosen bringen kein Geld, nicht abrechenbare Therapien bringen kein Geld + hohe Verweildauer und wiederkehrende Patienten auch nicht…

Auch viele Ärzte und Pflegekräfte stehen in dem Dilemma und wollen das so nicht weiter mitmachen, sie fordern eine individualisierte und bedarfsgerechte medizinische Versorgung

Aber bis dahin bleibt

Der Patient im Blick der "Gewinnmarge" oder gar als Kostenfaktor! Und vom sogenannten "schwierigen Patienten" - ganz zu schweigen.

www.aerzteblatt.de/archiv/53507/Auswirkungen-der-DRG-Einfuehrung-Die-oekonomische-Logik-wird-zum-Mass-der-Dinge

Das führt bei viele Ärzten und Ärztinnen zu unlösbaren Konflikte. Sie sollen Patienten heilen - und gleichzeitig mit ihnen Gewinne erzielen.

Leitend dabei immer:

Die "Fallpauschalenlogik" - das was mit der Erkrankung bzw. Behandlung "erwirtschaftet" werden kann bzw.  wie weitere "Verluste" vermieden werden können. Immer im Hintergrund - wenn das Krankenhaus keine "Gewinne" mehr erwirtschaftet oder gar "monitäre Verluste" produziert - dass es zu Schließungen kommen kann.

Das geht an den Patienten vorbei! Und inzwischen treffen diese Auswirkungen der einseitigen Ökonomisierung des Gesundheitssystems - alle Arten von Patienten - insbesondere aber natürlich weiterhin - chronisch Erkrankte, Kinder und Ältere.

Denn was weiterhin nicht abgerechnet aber dringend nötig wäre:

  • Mit Patienten zu sprechen - ihm/ihr zuzuhören, über die richtige Diagnose nachzudenken, sich mit anderen Ärzten darüber austauschen, in der Fachliteratur nachforschen, Verlaufsbeobachtungen, individualisierte Medizin und Behandlungen.

 

Die Problematik für ME-CFS und MCS Patienten liegt auf der Hand – abgesehen von den krankheitsspezifischen Anforderungen an eine nicht überlastende und verträgliche Umgebung, gibt es weder:

 

  • Zeit oder Abrechnungsmöglichkeiten für eine zeitaufwendige Diagnostik oder ausführliche Anamnese
  • Die Möglichkeit auch minimalinvasive Behandlung oder Therapieansätze zu erproben.
  • Die zugeordnete Hauptdiagnose dürfte in den seltensten Fällen tatsächlich ME-CFS oder MCS heißen (ich weiß jetzt nicht ob diese überhaupt in den DRG´s abgebildeten sind)

  • An den Antworten von Landes-und Bundesregierungen auf verschiedenen Anfragen von Politikern lässt sich entnehmen…“dass keine relevanten Fallzahlen in Deutschland gesehen werden“ und damit natürlich auch keinen Bedarf für Veränderungen.

 

Übrigens: Wer entscheidet eigentlich, was die Krankenkasse bezahlt und was nicht?!

 

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA)

Der G-BA ist das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen und wird über das SGB V geregelt.

Der Ausschuss regelt u.a. welche Therapie-und Diagnostikformen von der Krankenkasse bezahlt werden.

 

  • Die Akteure des Ausschusses: Vertreter der Krankenkasse und der Leistungserbringer.

  • Nichtakteure: Patientenorganisationen (sie haben, so wie es der Gesetzgeber will, kein Stimmrecht)

Übrigens:

Die Erstfassung der neuen, vom Gemeinsamen Bundesausschuss G-BA beschlossenen LongCovid Richtlinie ist veröffentlicht. Sie soll die Versorgung von Menschen mit Long COVID strukturieren und somit verbessern. Dabei übernehmen vor allem Hausärztinnen und Hausärzte die Koordination von Diagnostik und Therapie. (Unklar bzw. nur im Hintergrund bleibt hier die Rolle von ME-CFS als immerhin die schwerste Form von PostCovid lt. Frau Prof. Dr. Scheibenbogen von der Berliner Charité) – hier benannt als „Erkrankungen ähnlicher Symptomatik“.

Diese Richtlinie ermöglicht es nun dem Arzt jetzt (der sich auskennt und willig ist)...ein breites Spektrum von Patienten miteinzubeziehen.

https://www.g-ba.de/downloads/39-261-6374/2023-12-21_LongCOV-RL_Erstfassung.pdf

So sie denn umgesetzt wird! Die Richtlinie muss noch vom BGM 2024 rechtlich geprüft werden bevor sie in Kraft tritt.

Lt. der Regelung erfolgt dann in der Anamnese auch die Erfassung von:

Häufige Symptome, Zeitpunkt des Auftretens und Dauer einschließlich Fatigue, Belastungsintoleranz (PEM), orthostatische Intoleranz (OI), Schmerz, Schlafstörungen, Impfstatus aber auch psychischer Status.

Dazu:

Durchführung notwendiger Differenzialdiagnostik,
+ die die Information, Aufklärung, Beratung, Betreuung der Patienten

Insbesondere beim Vorliegen einer Belastungsintoleranz mit PEM, ist auf Einhaltung der individuellen Leistungsgrenzen zu achten. Bei allen Verordnungen sollten Besonderheiten wie PEM, ausgeprägte Reizempfindlichkeit oder eingeschränkte Mobilität ausdrücklich vermerkt werden.

Im Falle von  PEM sollte die Möglichkeit der aufsuchenden und telemedizinischen Umsetzung der Verordnung geprüft werden.

Eine Frage bliebe:

…woher kennen sich jetzt die Ärzte aus mit POTS und PEM und können und wollen Sie die benötigte Zeit für die Anamnese sich jetzt nehmen?

Aber…ein erster wichtiger Schritt in hoffentlich Richtung adäquater Patientenbehandlung und Umgang mit
an PostCovid und ME-CFS Erkrankten!

Einschub:

MCS wiederum gibt es im Prinzip auf politischer Ebene so gut wie gar nicht mehr (!) - Die meisten Initiativen (wie in Bayern-INDIKUS) auch politischer Natur oder beim RKI (wo auf auf die mangelnde Versorgung von MCS und Umwelterkrankten hingewiesen wurde - sind von der medialen Bildfläche und dem öffentlichen Bewusstsein, seit der Pandemie verloren gegangen.

 

Durch die steigende Patientenanzahl stieg zwar das Interesse (oder die Bewusstheit der Notwendigkeit) bei verschiedenen Fachrichtungen und so sind zwar inzwischen mehr Kenntnisse über die Besonderheiten von ME-CFS bekannt - trotzdem finden oft entsprechende Abgrenzungen zu anderen Erkrankungen immer noch nicht statt! Dabei gab es bereits 1996 politische Anfragen über die Versorgungssituationen von ME-CFS betroffenen Patienten in Deutschland!

Leider ist die ambulante wie stationäre Versorgung ME-CFS Patienten und auch PostCovid Patienten weiterhin prekär und nicht vorhanden:

Bis ein ME-CFS oder MCS Betroffener überhaupt ins Krankenhaus geht, liegen bereits hochgradige Symptome wie: akute Herzbeschwerden, schwere Vergiftungserscheinungen, Zusammenbruch des Immun-oder Organsystems, Probleme mit der Nahrungsaufnahme...u.v.m. oder für den Patienten oder Angehörigen selbst unklare Symptome, die nicht im Zusammenhang mit ME-CFS betrachtet werden.

  • Sollte dann im Krankenhaus „keine organischen Ursachen gefunden werden“…bleiben psychische Zuschreibungen wie Somatisierungsstörungen, Panikattacken, Ängste und Depressionen.

(In psychiatrischen Kliniken gibt es übrigens das sogenannte PEPP, das steht für „Pauschalierendes Entgeltsystem in Psychiatrie und Psychosomatik“)

 

Insoweit landen bei den zuständigen Stellen keine statistisch relevanten Zahlen über die Haupterkrankung: ME oder MCS

 

Auch niedergelassene Allgemein- und Fachärzte haben leider kaum bis gar keine Kenntnisse über die Zusammenhänge von ME-CFS und MCS.

Auf der einen Seite - fehlt es irgendwie an der Bereitschaft mit der Erkrankung sich auseinanderzusetzen von den Ärzten selbst - auf der anderen Seite sehen die Ärztekammern und die Politik nicht wirklich den Bedarf an den Lenkungsmöglichkeiten etwas zu ändern. Dazwischen stehen noch die Zuständigkeiten von Bund und Ländern - und - so muss man das sagen - in all diesen Stellwerken gehen die Menschen, die an ME-CFS, PostCovid, PostVac oder MCS erkrankt sind - schlichtweg unter!

Denn weiterhin:

 

  • wird durch Fehlbehandlungen der Zustand oft massiv verschlechtert

  • Wird Fehldiagnostiziert

  • Möglicherweise Hilfreiche Behandlungen nicht von der Krankenkasse finanziert

  • Fehlende Aufklärung über die neue Lebenssituation

  • Diskriminierung durch unterschwellige oder sehr direkt Hinweise auf psychische Einbildungskräfte (siehe hierzu S3-Leitlinie: Umgang mit Patienten mit nichtspezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden)

  • ...und wer in diesem System gelandet ist bekommt kaum mehr körperliche Untersuchungen…der Neurologe klärt in den seltensten Fällen dies mit anderen Fachärzten ab!

 

Trotzdem verblieben bisher die Antworten auf politische Anfragen der Landesregierungen wie auch der Bundesregierung:

 

….“Die medizinische Versorgung sei ausreichend“…es wird keinen „Bedarf an einer Veränderung“ gesehen, man wolle sich nicht bei den „Ärztekammern“ einmischen (diese sind für die Fortbildung der Ärzte zuständig)…und der Bund verweist auf die Länderzuständigkeiten (Universitäre Strukturen) und die Länder "warten wiederum auf den Bund". Inzwischen wird zum Teil der Bedarf nicht mehr geleugnet - zumindest für die PostCovid Erkrankten - aber umgesetzt wird er trotzdem nicht!

Was ist nun passiert seit der EU-Resolution 2020?!

Nach der EU-Resolution von 2020 (siehe weiter unten) und einem Regierungswechsel 2021 mit viel Vorarbeit der Patientenorganisationen - sowie weiteren Betroffenen - auch im Zusammenschluss von Long-Covid Vereinen wurde:

 

ME-CFS sogar im Koalitionsvertrag namentlich genannt:

www.mecfs.de/koalitionsvertrag...Im Koalitionsvertrag stehen wichtige Schritte zur Verbesserung (zum Aufbau) einer Versorgungsstruktur von ME-CFS und Long-Covid. Unter der Überschrift: Öffentlicher Gesundheitsdienst steht u.a.:


"Zur weiteren Erforschung und Sicherstellung einer bedarfsgerechten Versorgung rund um die Langzeitfolgen von
Covid19 sowie für das chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) schaffen wir ein deutschlandweites
Netzwerk von Kompetenzzentren und interdisziplinären Ambulanzen."

Hier der Koalitionsvertrag (S.83)

www.tagesspiegel.de/politik/ampel-steht-der-koalitionsvertrag-2021-als-pdf-zum-download/27829980.html

Der Koalitionsvertrag für die neue Bundesregierung wurde am 24.11.2021 von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP vorgelegt.

  • Die Hoffnung war, dass es so für die Ärzte und Landesregierungen immer schwieriger wird - ME-CFS zu ignorieren oder sich damit nicht zu beschäftigen.

Interessierte Ärzte können sich übrigens auch hier schon weiterbilden (diese wurden in Zusammenarbeit mit der Berliner Charite erstellt): www.mecfs.de/was-ist-me-cfs/informationen-fuer-aerztinnen-und-aerzte

Spoiler: Jetzt - 2023 - wurde jedoch noch immer der Koalitionsvertrag nicht umgesetzt - und die Patientenvereine - inzwischen gemeinsam mit den PostCovid und POST-Vac Betroffenen müssen - trotz Erkrankung mit Belastungsintoleranz (PEM) Post Exertioneller Malaise massiv weiter daran wirken - dass sie sichtbar bleiben, nicht vergessen werden - von einer Versorgungsstruktur oder Anerkennung - die es noch immer nicht gibt - ganz abgesehen.

Im Herbst 2021 kam es zwar zu weiteren wichtigen Entwicklungen:

 

November 2021

https://signformecfs.de...Nach einer nur vierwöchigen - dafür aber sehr erfolgreichen Mitzeichnungsfrist der Petition 122600 an den Deutschen Bundestag:
Versorgung, Forschung und politische Unterstützung für ME/CFS-Betroffene!“ wurde die Petition von über 93.033 Personen unterzeichnet!!! Und musste daher im deutschen Bundestag angehört werden!

  • Jetzt (September 2023) wurde die Petition an den Bundestag überwiesen .....wieder sind Jahre vergangen (wobei die Petition ja nur das einfordert - was im Koalitionsvertrag bereits steht (!)

Oktober 2021

Die NICE Guidline wurde endlich veröffentlicht…sie ist auch deshalb so wichtig weil sie sich auf deutsche Leitlinien auswirken kann. Bzw....hätte können - oder auch zumindest nicht mehr ignoriert werden kann!

Nach einer einmonatigen - schwer nachvollziehbaren Pausierung der Veröffentlichung!

www.me-cfs.net/aktuelles/sammelbeitrag-zur-veroeffentlichung-der-neuen-britischen-me-cfs-leitlinie

Ein wichtiger „Meilenschritt“…da ein „medizinisches“ Umdenken, seit Jahren so schwierig ist…und sich die „medizinische“ Sicht…die Realität der ME/CFS Betroffenen anzuerkennen – sich so sehr schwer in der Medizin etablieren lässt –genauso wie in der Politik – es so zäh ankommt, dass die Betroffenen im medizinischen und sozialen System komplett zurückgelassen werden!

Daher haben die Patienteninitiativen und nicht nur in Deutschland jetzt eine stärkere Grundlage wenn Sie ihre Argumente in politischen Anhörungen, Leitlinienerstellungen oder beim IQWiG Projekt des Bundes hervorbringen.

und zu aktuelle politische Entwicklungen hier unter: lebenszeit-cfs.de/changeme-cfs

 

Allem Vorausgehend:

Im Juli 2020

Das EU-Parlament sah ein hohes Risiko sozialer Ausgrenzung der von ME/CFS Betroffenen.

Und wünschte daher dass:

 

  • Durch Sensibilisierung und zusätzliche Finanzierung von Forschung erreicht werden soll, dass die Stigmatisierung der Betroffenen durch den fehlenden Wissensstand in der Medizin abgebaut wird.

 

  • Eine koordinierte und umfassende Datenerhebung zu dieser Krankheit innerhalb der Mitgliedstaaten und die EU forderte eine verpflichtende Berichterstattung in allen Mitgliedstaaten zu ME-CFS.

Hier die Seite des Europaparlaments mit allen wichtigen Punkten ihrer Erläuterungen

https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/B-9-2020-0186_DE.html

Und hier die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS:

https://www.mecfs.de/europaeisches-parlament-verabschiedet-resolution-zu-me-cfs/

 

In anderen Ländern ist ja zumindest ME/CFS kein Fremdwort mehr und führt so zu Ansätzen der Verbesserung in der Versorgung der Patienten.

 

So entstand beispielsweise in Oslo bereits im Jahre 2008 eine eigene Klinik für ME/CFS-Patienten, die auch auf die Versorgung Schwersterkrankter eingerichtet ist aber auch im ambulanten Bereich auf die jeweiligen Schwergrade eingeht.

 

In den USA existieren bereits mehrere spezialisierte Kliniken.

 

In England ist ME kein Fremdwort – und im europäischen Parlament wurde das Thema, dank E.Van-Brink ernsthaft besprochen.

 

Es gibt wirklich eine Vielzahl von Literatur aus dem Ausland, renommierte Forscher und Ärzte setzen sich ernsthaft mit dem Thema seit Jahren auseinander….!

 

 

Aber in Deutschland ist das (bis jetzt) irgendwie anders…das zähe Ringen - auch nach Jahren um Anerkennung geht weiter....(und weiter)...

Und das auch - obwohl die Berliner Charité selbst - dazu seit Jahren wichtige Beiträge liefert im Umgang, Diagnostik und Therapie von ME-CFS!

(Dazu wurde die Leiterin der Immundefektambulanz Frau Prof. Dr. Scheibenbogen auch hoch geehrt: mit dem Bundesverdienstkreuz!)

Um auf das bisher "gesetzte" Gesundheitssystem zurückzukommen - chronische Erkrankungen generell - sind weder im Gewinnorientierten und noch immer bestehenden Fallpauschalensystem vorgesehen - dabei ist längst klar...was zu tun wäre.

Bei den seltenen Erkrankungen finden sich die erforderlichen Schritte: lebenszeit-cfs.de/seltene-erkrankungen

Und ME/CFS ist zwar nicht selten - aber dafür (schwer) vernachlässigt, bzw. ignoriert.

Wichtige Impulse zur Herangehensweise und den Umgang mit multisystemische Organerkrankungen im Buch von Sibylle Reith: "MULTISYSTEM-ERKRANKUNGEN erkennen und verstehen" aus dem Tredition.Verlag (erschienen Dezember 2021)

 

  • Aber auch schon im bestehenden System gibt es die Möglichkeit des Disease-Management-Programme (DMP) - das sind strukturierte Behandlungsprogramme, die chronisch Erkrankten dabei helfen sollen, ihre Lebensqualität zu verbessern und zu erhalten.

www.g-ba.de/themen/disease-management-programme

Insbesondere auch hier...in Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen - Austausch unter den Ärzten, Verlaufbeobachtungen und Ärzte die sich mit dem jeweiligen Krankenbild auch auskennen! (Muss das wirklich gesetzlich niedergeschrieben werden? Aber in der Realität tatsächlich dringend notwendig...noch immer gilt die erste Anlaufstelle eines ME-CFS-Betroffenen - der Hausarzt! Dieser hat von dieser Erkrankung aber noch nichts gehört und selbst wenn....stehen ihm nicht genug diagnostische Mittel zur Verfügung, die er abrechnen könnte.)

  • Bei den Long-Covid Betroffenen gibt es wohl Sonderregelungen - so dass so etwas wie Physio außerhalb des Budgets verschrieben werden kann...solche Regelungen sind für ME-CFS Betroffene - wo es besonders um individuelle Symptombehandlung geht, noch nicht vorgesehen - so wenig wie die Aufnahme in ein Disease-Management-Programme (DMP).

 

Anmerkung:

 

ME/CFS und MCS sind zwar krankheitsspezifisch nicht gleichzusetzen. Jedoch überlappen sich beide Erkrankungen oft. Dies scheint mir nicht ungewöhnlich.

  • Als Folgen von MCS kann sich ein CFS entwickeln und die Folgen von ME können wiederum reduzierte Entgiftungsmöglichkeiten sein.

So oder so hilft es keinem gesunden Menschen und schon gar keinem Multi-Organ-Erkrankten oder Immungeschwächten Menschen sich mit Giftstoffen weiter zu belasten. Insbesondere da kranke Menschen sehr viel Zeit in Innenräumen verbringen und viel weniger Bewegung haben...dies beeinträchtigt im Laufe der Zeit in hohem Maße die Möglichkeiten der Selbstentgiftung...die Lymphe fließt nicht mehr richtig, die Verdauung dürfte sich verlangsamen, das Aufnehmen weitere Schadstoffe, die sich im Stoffwechsel, im Gewebe und im Gehirn ablagern, sind stark weiter schädigend!

 

Auch wenn selbst innerhalb der ME/CFS Betroffenen und Aktiven das Thema MCS kontrovers behandelt wird - kann ich nur dazu sagen, dass gerade auch ein ME-Betroffener darauf achten sollte:

 

  • wie Schadstofffrei ist der Raum in dem sich der Erkrankte hauptsächlich aufhält (liegt)
  • welche Nahrung nimmt er zu sich
  • welche Kleidung trägt er
  • welche Pflegemittel werden benutzt
  • welche Putz-und Reinigungsmittel werden benutzt
  • welche Möbel befinden sich im Schlafraum und in der Wohnung
  • welche Waschmittel werden für Kleidung und Bett genutzt
  • und...ja - ich sags trotzdem...wie viel Strahlung ist er/sie permanent ausgesetzt?
  • gibt es (neue) elektronische Geräte und Kabel in seiner Umgebung (Flammschutzmittel riecht man nicht...ist aber ein sehr toxisches Nervengift)

 

Es kann schließlich für keinen (gesunden) Menschen und schon gar nicht für einen chronisch kranken Menschen sinnvoll sein, Organe wie die Leber, die Nieren, den Darm, die Lungen, die Atemwege, die Nervenzellen oder die Mitochondrien weiter mit toxischen Substanzen zu belasten.

 

Im Übrigen: Abgeordnete von Parteien, die sich zuvor in der Opposition befanden – haben sich v o r der Pandemie und dem Regierungswechsel noch stark für die MCS (und z.T. auch ME-CFS Erkrankte gemacht) – inzwischen ist es genauso – nur umgekehrt!

Was fehlt…außer der Bereitschaft „darüber zu sprechen“…ist der Wille zur Umsetzung und damit wohl auch ein tieferes Verständnis für das Leid der Erkrankten mit ME-CFS, PostCovid, Post Vac und MCS.

Daraus folgt:

Weiterhin wird betroffenen Menschen in Deutschland unverschuldet und inzwischen auch schon fahrlässig, medizinisch wie soziale Teilhabe weiter vorenthalten!

 

Das liegt nicht nur an der Politik (die eigentlich sich auch um die Gesundheit der Bevölkerung (Puplic Heath) bemühen müsste) - sondern leider auch nach wie vor an den Hauptakteur*innen in der Medizin!

Hier gibt es nach wie vor starke Widerstände - neue Erkenntnisse zuzulassen oder den Mediziner*innen und Forscher*innen national wie international zuzuhören!

Das scheint mir schon mehr als Fortschrittsverweigerung - obwohl gerade Ärzte wissen - dass Kenntnisse und Zusammenhänge von Erkrankungen sich beständig ändern - und fortschreiten...


...und ich frage mich immer und immer wieder - an welchen tiefgreifenden ME-dizinischen Paradigmen - hier zwischen Arzt (Denken) und Patienten (Realitäten) nach wie vor sich so hartnäckig festgehalten wird?!

 

Mehr Gedanken von Gründen, die zu diesen Widerständen führt, Veränderungen herbeizuführen, in Sachen medizinischem Denken - hier unter: lebenszeit-cfs.de/ME-dizinische-paradigmen.html