Pflegegradfeststellung

 

 

 

Ab wann ist man "Pflegebedürftig" und kann Pflegeleistungen erhalten?

 

 

....wenn die Alltagskompetenz und Selbstständigkeit eingeschränkt ist durch:

 

 

 

 

Der Antrag kann bei der Pflegekasse, der sich bei der Krankenkasse befindet, formlos gestellt werden. Man stellt ihn selbst oder bei vorhandener Vollmacht kann dies auch ein Freund oder Angehöriger tun. Sobald der Antrag bei der Pflegekasse gestellt wurde, beauftragt diese den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit.

 

Dann erhält man ein Antragsformular, dieses kann auch mit Hilfe eines Pflegestützpunktes oder Pflegeberatungsstelle ausgefüllt werden.

 

Daraufhin wird ein Termin mitgeteilt zur Pflegebegutachtung im eigenen Wohnumfeld. Nur "erzählen" wie es einem grundsätzlich geht, genügt nicht - wichtig an dem Tag - der Begutachter protokolliert alles - von der Kleidung - bis über die Gangart, wie man sitzt (selbst wie man die Hand gibt) - die Konzentration - die Sprachfähigkeit - Umgang mit ihm (Blickkontakt - Ausfälle im Gespräch usw..) also ihm zeigen wie es einem normalerweise geht - wenn es keine guten Tage sind....(Zusammennehmen genau an diesem Tag ist nicht zielführend und kann fehlinterpretiert werden!) - Hilfreich eine vertraute Person mit dabei zu haben - zeigt auch - dass man das nicht alleine mehr schafft und die Person kann solche Situationen schildern)

 

Im Leistungsbescheid steht dann die Entscheidung der Pflegekasse über die Feststellung von Pflegebedürftigkeit. Diese soll für die Versicherten transparent und nachvollziehbar sein.

 

Es besteht das Recht mit dem Bescheid das Gutachten zu erhalten. Das kann bei dem Begutachtungstermin besprochen werden. Auch zu einem späteren Zeitpunkt ist dies noch möglich. (Wichtig falls man in Widerspruch gehen will und auch als Ausgangslage bei einer Höherstufung... sowieso interessant wie der Gutachter das alles so beschreibt...)

Es gibt die Möglichkeit des Widerspruchs wenn der Antrag abgelehnt oder der Pflegegrad zu niedrig scheint…Gut dabei wäre die Hilfe eine Patienteninitiative.

 

 

Der Begutachter bewertet ob der/die Pflegebedürftige

 

gewisse Aufgaben                                                 gewisse Fähigkeiten                                                                
  • selbstständig,
  • überwiegend selbstständig,
  • überwiegend unselbstständig oder
  • unselbstständig

    erledigen kann.

  • vorhanden,
  • größtenteils vorhanden,
  • in geringem Maße vorhanden oder
  • nicht vorhanden

   sind.

 

 

Am Tag der Begutachtung sollten vorbereitet sein:

 

  • Medikamente und Medikationsplan
  • Aktuelle Krankenhaus- oder Arztberichte
  • Bescheide und Gutachten anderer Einrichtungen  (z. B. Schwerbehindertenbescheid)
  • Liste aller regelmäßigen Behandlungen
  • Liste aller Hilfsmittel
  • Gegebenenfalls die aktuelle Pflegedokumentation des Pflegedienstes
  • Informationen über bevollmächtigte Personen wie Betreuerin oder Betreuer und über deren Aufgaben
  • Pflegetagebuch

 

bundesgesundheitsministerium.de/leistungen-im-ueberblick ...wie hoch ist das Pflegegeld

verbraucherzentrale.de/wofuer-sie-in-der-pflege-entlastungsleistungen-nutzen-koennen...wer bekommt den Entlastungsbetrag von 125 Euro (Alle Pflegegrade - auch bei Pflegegrad 1 und was kann man damit tun...

 

 

 

Wie errechnet sich die Einschränkung in der Alltagskompetenz und zu welchem Grad führt das dann?

 

  • PG 1 - geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit         (Punktwert: 12,5-26,9)
  • PG 2 - erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit    (Punktwert: 27,0-47,4)
  • PG 3 - schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit        (Punktwert: 47,5-69,9)
  • PG 4 - schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit     (Punktwert: 70,0-89,9)
  • PG 5 - schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung                                                                        (Punktwert: 90,0-100)

 

Welche unterschiedlichen Lebensbereiche werden berücksichtigt:

 

 

  • Mobilität (10 Prozent)

    Positionswechsel im Bett, stabile Sitzposition halten, Aufstehen aus sitzender Position und Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereiches und Treppensteigen. (Alles wobei man Hilfe, Anwesenheit oder Motivation benötigt)

 

  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (7,5%)...Es betrifft auch andere kognitive Ausfälle die bei anderen Erkrankungen vorherrschend sein können und nicht mehr nur das was von früher noch der Demenz zugeordnet wurde)

    Personen aus dem näheren Umfeld erkennen, örtliche Orientierung, zeitliche Orientierung, Gedächtnis, Alltagshandlungen in mehreren Schritten wie die Haushaltsführung ausführen oder steuern, Entscheidungen im Alltagsleben treffen, Sachverhalte und Informationen verstehen, Risiken und Gefahren erkennen, elementare Bedürfnisse mitteilen, Aufforderungen verstehen, sich an einem Gespräch beteiligen. In Zukunft gerichtete Planung, Wortfindungsstörungen, Brainfog (in welchen Situationen?)...und vieles mehr.

 

  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (7,5%): (Auch hier scheinen die Begrifflichkeiten noch aus der Demenz abgeleitet - und können auf die jeweiligen psychischen Belastungen die aus einer chronischen Erkrankung resultieren anders benannt werden - eben alles was einer selbstständigen Alltagsbewältigung im Wege steht...)

    Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten, nächtliche Unruhe, selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten, physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, vokale Auffälligkeiten, Abwehr pflegerischer oder anderer unterstützender Maßnahmen, Sinnestäuschungen, Ängste, Antriebslosigkeit, depressive Stimmungslage, sozial nicht hilfreiche Verhaltensweisen...

Bei cfs-me: Wo braucht man Hilfe im Alltag aufgrund von körperlicher Schwäche, Ängste, Überforderungen, Sinnesüberreizungen, Konzentration, Gedächtnis, kognitive Ausfälle, Brainfog........

Bei der Einschätzung geht es um die Frage, inwieweit die Person ihr Verhalten ohne personelle Unterstützung steuern kann. Dabei geht es auch um den Hilfebedarf bei der Bewältigung von belastenden Emotionen (wie z. B. Panikattacken), Hyperventilation...- beim Abbau psychischer Spannungen, - bei der Impulssteuerung, - bei der Förderung positiver Emotionen...

(Wie oft wird die Hilfe benötigt: nie, selten, häufig oder täglich)

 

  • Selbstversorgung (40%):

    Körperpflege (vorderen Oberkörper waschen, rasieren, kämmen, Zahnpflege, Prothesenreinigung, Waschen, Duschen oder Baden – einschließlich Haare waschen), An- und Auskleiden (Oberkörper an- und auskleiden, Unterkörper an- und auskleiden), Ernährung (Essen mundgerecht zubereiten/Getränke eingießen, Essen, Trinken), Ausscheiden (Toilette oder Toilettenstuhl benutzen, Folgen einer Harninkontinenz bewältigen sowie Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma, Folgen einer Stuhlinkontinenz bewältigen sowie Umgang mit Stoma), Hilfe  (Zubereitung, Bereitstellen, Motivieren, Kleinschneiden, Essen geben) bei der Nahrungsaufnahme.

  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen ( 20 %)

    In Bezug auf: Arztbesuche, Besuch anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, Medikation, Injektionen, Versorgung intravenöser Zugänge, Absaugen oder Sauerstoffgabe, Einreibungen, Kälte- und Wärmeanwendungen, Messung und Deutung von Körperzuständen, körpernahe Hilfsmittel, Verbandswechsel und Wundversorgung, Wundversorgung bei Stoma, regelmäßige Einmal-Katheterisierung, Nutzung von Abführmethoden, Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung, zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung. 

 

  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15%):

    Tagesablauf gestalten und an Veränderungen anpassen, Ruhen und Schlafen, sich beschäftigen, in die Zukunft gerichtete Planungen vornehmen, Interaktion mit Personen im direkten Kontakt und Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfeldes, Behördenkontakt....

 

Modulbeschreibungen: pflege-grad.org/eingeschraenkte-alltagskompetenz

 

Weitere Aspekte der neuen Begutachtung sind;  die Teilhilfe bei der Selbstversorgung, der Haushaltsführung und beim Verlassen der Wohnung. 

Bei pflegebedürftigen Kindern sind bestimmt noch andere Besonderheiten bei der Begutachtung zu beachten.

 

Weitere Informationen und Quellen:

 

 

Bei der Patientenberatung Fatigatio gibt es Telefonsprechzeiten zur ausführlichen Beratung und Hilfestellung was Anträge für die Pflege oder Behindertenanträge und ähnliches betrifft.

 

Bei der Stiftung Lost-Voice gibt es Infomaterial für Pflegende, Ärzte und Therapeuten im Umgang mit den speziellen Eigenheiten von me/cfs: Lost-Voice-Stiftung-Informationen

 

 

Tipp:

 

(Gilt eigentlich für jede Art von Antrag)…wenn das was anzukreuzen ist nicht direkt zutrifft oder die eigentliche Situation nicht wirklich beschreibt….Extrablatt (blätter) hinzufügen in denen alles genau aufgelistet ist (mit Zusatz auf welche Frage es sich bezieht)…möglichst objektiv – der Sachbearbeiter möchte auf verständliche und informelle Weise die Informationen die für seine Entscheidung relevant sind.)

 

Dabei hilfreich ist es für alle Diagnosen die man hat nach einem Symptomkatalog zu suchen, diese zu benennen und ihre konkreten Auswirkungen auf den persönlichen Alltag zu beschreiben.

 

      Bei Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen zählen auch dazu: Arztbesuche (nur begleitet zum Arzt zu können…oder aus Schwächegründen fast gar nicht zum Arzt zu können…Einhaltung einer bestimmten Diät (bei Nahrungsunverträglichkeiten)…benötigte Unterstützung bei Zustandsverschlechterung nach Belastung....

 

      Verhaltensweisen und psychische Problemlagen:…wie oben beschrieben, erinnern die noch stark an den Symptomkatalog für Demenz – da es aber bei cfs/me oder mcs auch zu kognitiven Ausfällen kommt – kann man diese auch heranziehen und schauen was bei einem selber vorkommt: (Außerdem hat ja fast jeder noch andere „Diagnosen“ (wenn der Arzt kein cfs/me diagnostizieren kann und das ganze einen „anderen Namen“ braucht – die man hinzuziehen kann)

 

So zum Beispiel…immer verknüpft mit der Frage wo bin ich dadurch in meiner Alltagskompetenz/bewältigung eingeschränkt! Wo benötige ich Hilfe, Anwesenheit (bei Ängsten, Schwächeattacken, Brainfog...), Unterstützung oder Motivation)

 

    Neurologische/Kognitive Manifestationen, die unter Stress, Überforderung, zu viele Sinneseindrücke auf einmal oder veränderten Situationen entstehen können sind zum Beispiel;

 

  • Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit und der Konsolidierung des Kurzzeitgedächtnisses
  • Schwierigkeiten mit der Informationsverarbeitung, mit Kategorienbildung und Wortfindung
  • Es können Überlastungsphänomene auftreten: Bei Überlastung durch kognitive und sensorischen sowie emotionale Einflüsse kann es zu Rückfällen und/oder Angstzuständen oder Hyperventilation, Atemnot, Zusammenbrüchen….oder was auch immer,kommen (oft auch Lichtempfindlichkeit und Überempfindlichkeit gegenüber Lärm und Gerüchen)
  • Wahrnehmungs- und sensorische Störungen: z.B. räumliche Unsicherheit und Desorientierung, Unfähigkeit, den Blick zu fokussieren.
  • Verwirrtheit, Desorientiertheit
  • Ataxien (Bewegungskoordinationsstörungen)
  • Muskelschwäche und Muskelzuckungen
  • Vegetative Störungen wie Herzklopfen und Tachykardie (hohe Pulsfrequenz), Beeinträchtigung des Kreislaufs, Schwindel, Benommenheit.
  • Gestörter Tag/ Nachtrhythmus….

 

 

Und alles was man selber noch so hat und noch zutrifft und sich konkret auf die Alltagsbewältigung und den Hilfebedarf auswirkt!

 

Ein Beispiel wie man es beschreiben könnte:

 

Zum Beispiel das Thema Mobilität:

 

Fortbewegung in der Wohnung

…wann und wie und mit welchen Hilfsmitteln nur möglich (Stehen, Sitzen, Gehen, Treppen…)

Schwindel, Brainfog…extreme Schwäche…körperliche Einschränkungen...bedürfen der Anwesenheit oder Unterstützung einer Person

Verlassen der Wohnung

Wie? Mit welcher Hilfe, wie lange oder warum auch gar nicht möglich….

Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel

Wie möglich oder warum nicht möglich….(zählt aber eher beim Behindertenbescheid)

 

 

 

Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

 

Tagesablauf gestalten und an Veränderungen anpassen….

Welche Herausforderungen und Einschränkungen gibt es da?....Was passiert zum Beispiel wenn etwas unvorhergesehenes passiert…Handwerker, persönliche Aufregungen, zu wenig Schlaf…Folgen von Brainfog, Verwirrtheitszuständen oder Desorientierung...

Interaktionen zu Personen im direkten Kontakt

Wortfindungsstörungen, Gedächtnis-Konzentrationsprobleme, Atmungsveränderungen bei Aufregung.. 

 

    Weitere Eigenheiten von ME oder der jeweiligen Erkrankung für sich selber spezifisch auf die Alltagseinschränkung im Vergleich zu einem gesunden Menschen hinterfragen (oft hält man ja schon selber viel für normal - vor Allem je länger man schon damit lebt).

 

So zum Beispiel:

 

Woran hindert mich die meist bestehende orthostatische Intoleranz (die Fähigkeit länger aufgerichtet zu sein….also alles beschreiben worin man Unterstützung braucht, bzw. was einen daran hindert seinen Alltag selbstständig zu gestalten…auch im Hinblick auf krankheitsbedingte Anforderungen…oder krankheitsbezogenen Risiken…also was wird auch benötigt – um den Zustand langfristig so stabil wie nötig zu halten…(stabiler Tagesablauf, vertraute Kontaktperson (also Schwierigkeiten mit Interaktionen mit fremden Personen möglicherweise), beschreiben was in Guten aber vor Allem an weniger guten Tagen eben nicht mehr möglich ist…wie anfällig das ist…in Bezug auf Umgebungsereignisse, wie Lärm, Licht, Temperatur, fremde Menschen, unvorhergesehene Ereignisse….

 

Wie wirkt sich die krankheitstypische Zustandsverschlechterung nach Belastung aus? Was ist an diesen Tagen (nicht mehr) möglich - wo brauche ich hier Hilfe und Unterstützung?

 

"Ausgeprägtes labiles oder emotionales Verhalten" klingt zwar nicht schön…aber durch mein mcs oder wenn mein Zeitfenster überschritten ist, was meine Kräfte und Belastbarkeit anbelangt…kann das durchaus meine „Alltagskompetenz“ entschieden nach unten fahren. (Auch ein Begriff aus dem Demenzbereich aus der Zeit als noch Pflegestufen statt Grade berechnet wurden)

Die ambulante Pflege zu Hause kann von Ehepartner, Eltern, erwachsenen Kindern, Verwandten oder Nachbarn ausgeführt werden, dann können diese das Pflegegeld erhalten - und je nachdem wie viel sie noch arbeiten (bei nicht mehr als dreißig Stunden die Woche) können noch Rentenpunkte für die häusliche Pflege erhalten werden.

Natürlich kann die Pflege auch durch einen Pflegedienst geleistet werden.

 

 

Hier noch weitere Informationen

 

Patientenverfuegung...Vorsorgevollmacht (auch im Pflegefall cfs/me und mcs betreffend)...Betreuungsverfügung

Rechtliches...im Zusammenhang mit der Existenzsicherung wie Erwerbsminderungsrente, Behindertenstatus, Pflegeversicherung und Nachteilsausgleich bei Schülern