Künstliche Bedürfnisse oder wie frei sind wir beim konsumieren wirklich?

 

 

Ein Bedürfnis ist zunächst der Wunsch, einen Mangel zu beseitigen. Unerheblich ist dabei ob der Mangel nur subjektiv empfunden oder objektiv vorhanden ist.


Analog zu der Maslow`schen Bedürfnispyramide entsprechen die „ersten“ Stufen den  fundamentalen existenziellen Bedürfnissen wie Nahrungsaufnahme, Wohnraum, Sicherheit, dem folgen soziale Bedürfnisse wie mitmenschliche Kontakte oder die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Weitere Bedürfnisse sind Anerkennung und Selbstverwirklichung.


.....Und wer will das nicht,
anerkannt, zugehörig und sicher sein? Diese grundlegenden Bedürfnisse des Menschen macht sich die Wirtschaft jedoch gekonnt zu nutzen, indem ein künstliches Mangelempfinden und neue Sehnsüchte geweckt werden. Indem Produkte uns vorgaukeln, sie seien der Ausdruck von Individualität und Selbstverwirklichung.

Die zunehmende Abhängigkeit, immer auf dem neuesten Stand zu sein, immer erreichbar zu sein, immer im Trend zu sein, gaukelt uns vor, innere Zustände der Unruhe überdecken oder gar füllen zu können.

Und so werden Produkte gezielt mit den jeweilig nächsthöheren Bedürfnissen, wie Anerkennung oder Selbstverwirklichung gekoppelt und wecken so in uns den Wunsch und das Gefühl „etwas zu wollen“ und bedienen mit dem so entstandenen Kaufimpuls eigentlich nur die Interessen einer zielgerichteten Wirtschaft, deren ständiges Mantra „wachsen, wachsen, wachsen“ uns suggeriert, das mache unser(en) Leben(s)(standard) sicher.

 

 

 

 

Um aber wirklich selbstbestimmt Leben und entscheiden zu können, scheint es mir notwendig zu erkennen, woher unsere Wünsche eigentlich kommen. Und weiterhin benötigen wir eigentlich genügend Informationen um eine für uns „gute“ Entscheidung treffen zu können – je nach den eigenen Wertvorstellungen. 

Leider aber füttern uns die Medien ständig mit sogenannten „graue Informationen“. 

 

Dies sind Nachrichten, die aus Wahrheiten, Teilwahrheiten und Unwahrheiten zusammengesetzt sind. Hier fällt auch der Begriff von „Bewusstseins-Design“ So werden gesundheitliche, (umwelt)politische, menschenrechtliche Hintergründe in Form von „Legendenbildungen“ verfremdet.

 


Was wiederum die Erfüllung unserer Bedürfnisse mit Armut, Massentierhaltung, Arbeits- und damit Lebensbedingungen anderer Menschen zu tun hat – wird von uns ferngehalten, wenn es nicht zu einer aktiven Hinterfragung von uns selbst kommt!

 

Green-Washing, Sleeper Effekt, ablenkende Kommunikation, Affektiv orientierte Kommunikationsziele – sind nur einige der angewendeten Praktiken.

 

Um den vermeintlich stetigen Wachstum der Wirtschaft am Laufen zu halten ist es notwendig, dass permanent neue Bedürfnisse entstehen, Produkte ersetzt, ergänzt werden müssen. Um jeden Marktanteil wird unermüdlich und mit hoher Motivation gekämpft. Nicht die natürlich entstandene Nachfrage bestimmt das Angebot, sondern das Angebot und die Vielfalt wecken ständig neue Wünsche. Werbepsychologen feilen immer feinere Methoden aus den Konsumenten zu lenken. Ihr Wissen über die Struktur des Menschen, sein Kaufverhalten zu lenken, sucht seinesgleichen.

 

Weltweit einflussreiche Marketingfirmen und Marktforschungsunternehmen wie die GfK (übrigens auch zuständig für die Einschaltquote und Chartermittlung) "helfen" den Firmen ihre „Markt-Performance“ zu optimieren. Die „emotionale“ und „soziale“ Beziehung des Konsumenten (also wir) zu einem Produkt wird untersucht, gestärkt und gefestigt und überhaupt erst etabliert. Die sogenannte online purchase journey (Informations-, Such und Kaufentscheidungsprozesse werden analysiert und ständig optimiert.

Der Konsum wird zu Erlebnissen hochstilisiert und Marken werden mit Emotionen an den Verbraucher gebunden. (Aber auch durch ihre Prognosen und Umfragen (nicht nur im Produktbereich) legen ihre Einschätzungen fest wohin der Weg weiter geht, die vielzahl ihrer Kunden - allesamt bekannte Marken, spricht da für sich. Dabei geht es nicht nur um einfache und tatsächliche Konsumprodukte sondern das betrifft auch den Gesundheitsbereich, Versicherungs- Bankwesen…)

 

 

 


Um ein konsumistisches Verlangen zu steigern und am Leben zu erhalten, muss der Mensch gezielt in ein Mangel oder Lustempfinden gebracht werden, von dem er meint es befriedigen zu müssen und sich damit noch frei und selbstbestimmt fühlen.

Da dazu dann auch die notwendige Kaufkraft erforderlich ist – werden dem Menschen Ratenzahlungen und Kredite schmackhaft gemacht. Um so den Menschen ohne Zeitverzögerung die „Erfüllung seiner Wünsche“ zu ermöglichen.

Die Diskussion zur Abschaffung des Bargeldes, das Zahlen mit Karte, Onlineeinkäufe, Bonuspunkte - jedes kleinste Kaufhemmnis soll schnellst möglichst überwunden werden.

 

Aber wissen wir überhaupt noch, was uns wirklich nährt?

 

Wir kaufen, verbrauchen, benutzen, buchen, downloaden und werfen wieder weg.

 

Essen wir achtsam?

Wissen wir was unser Körper wirklich braucht? Wissen wir woher die Nahrungsmittel kommen, wie sie angebaut wurden? Wissen wir, was wir zu uns nehmen?

 

Konsumieren wir die Medien achtsam?

Wissen wir was wir lesen, anschauen und hören und über die Sinne täglich konsumieren? Tun uns die die medialen Eindrücke, die wir täglich zu uns führen, gut? Klären sie unseren Geist? Schulen sie unsere Wahrnehmung? Lassen sie uns noch schlafen?

 

Technischer Konsum

Sind wir mit all den Netzwerken tatsächlich verbundener mit der Welt? So dass wir unsere kreative Tatkraft einsetzen wollen, sie lebenswerter für alle zu gestalten? Finden wir noch innere Ruhe? Können wir Stille noch ertragen? Können wir noch "abschalten"?

 

 

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Führt der ständige Konsum von Produkten zu irgendeinem Zeitpunkt zu einer inneren Sättigung? Oder hungern wir immer weiter nach "mehr"?

 

Die Frage bleibt ob diese Sättigung über die Vielzahl an Möglichkeiten und Auswechselbarkeit von Gütern, mit denen wir uns umgeben, überhaupt möglich ist. In der Werbung wird uns suggeriert was wir benötigen um glücklich zu sein. Von frühem Lebensalter an werden wir in eine konsumistische Welt hineinkonditioniert.

Aber solange wir Gummibärchen mit Kindheit und Milch mit grünen unbelasteten Wiesen gleichsetzen, werden wir wohl weiterhin im Reiz-Reaktions-Muster stecken bleiben.

Solange wir ignorieren können, dass viele Güter in weit entfernten Ländern hergestellt werden und die Gesundheit anderer Menschen damit aufs Spiel gesetzt wird oder wir Produkte wie von Chemiekonzernen als „unsere Beiträge für ein besseres Leben“ geduldig annehmen, wird alles einfach so weitergehen.

Solange uns nicht klar ist, dass wir als Konsumentengruppe längst durch analysiert sind und wir kaum mehr Distanz zu den medialen Nachrichten und Bildern zum Hinterfragen aufbauen können – solange wird es schwierig sein den Kontakt – frei von äußeren Suggestionen – mit dem eigenen Inneren aufzubauen und zu erforschen…was macht mich wirklich glücklich (nicht nur die schlichte Beseitigung innerer Unruhe), was erfüllt mich (über den Hipe von Adrenalinkicks hinaus)?

 

  • Kann ich einmal entschleunigt sein? Ohne in Unruhe zu verfallen?
  • Kann ich einmal nicht erreichbar sein? Ohne in Stress zu verfallen?
  • Kann ich in Ruhe sein (immer mal wieder)
  • Kann ich Stille mit mir aushalten?
  • Würdige ich die menschliche Leistung die hinter der Herstellung von Produkten steht und gehe ich sorgsam mit ihnen um?
  • Sind die Güter(Möbel/Kleider/Nahrung/Elektronikgeräte) meiner Gesundheit wirklich zuträglich, kann ich meinen Körper wahrnehmen?
  • Gibt es Momente in meinem Leben die vollständig rund sind – indem nichts hinzugefügt werden müsste? (Wielange dauern diese an)
  • Bin ich da – wo ich gerade bin – oder bin ich in Gedanken schon woanders?

 

Diese Fragen kann nur jeder für sich alleine beantworten

 

 

Der Philosoph Richard David Precht stellt die Frage ob wir wirklich den Weg von einer Bedarfsdeckung zu einer Bedarfsweckungsgesellschaft weiter gehen wollen, er frägt sich;  Welchen Fortschritt wollen wir und welchen nicht!

 

Es gibt natürlich und zum Glück auch längst Bewegungen die versuchen über Fair-Trade, Bio, Nachhaltigkeit und Wiederverwertung zu einem bewussteren Umgang anzuregen. Bewusstheit mit dem was uns umgibt. Wie wir die Erde, das Wasser, die Luft verändern und welches Erbe wir unseren Kindern überlassen wollen.

 

 

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Die grüne Suchmaschine....eine Art grünes Branchenbuch

http://www.oeko-fair.de/...strategischer Konsum - ökofairer Handel

www.purenature.de/‎ ein Familienmitglied dieses Online Versandhandels erkrankte selbst an mcs,

                               hier gibt es alles, von Körperpflege über Haushalt, Ernährung, Wandfarben, Atemschutz....und vieles mehr,

                              

http://www.prodana.de/    PRODANA entwickelt und vermarktet umweltfreundliche Produkte, insbesondere aus nachwachsenden Rohstoffen

Biologische Vielfalt....Umweltprojekte zum mitmachen und Unterstützen

http://oekofair.anaundanda.de/ 

https://utopia.de/0/produktguide/sharing-521/gebrauchkauf

 

um hier nur eine kleine Auswahl zu nennen...

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(Aber natürlich findet auch hier leider weiterhin Etikettenschwindel statt, und so wird von der Industrie aufgerüstet und Werte der Gesundheit, der Erhalt der Umwelt…in das Produkt mit hinein integriert…denn so einfach lassen sie nicht ihr Kaufpublikum abwandern)

 

Übrigens:

 

Die Zusammensetzung der Bevölkerung einer pfälzischen Kleinstadt entspricht rechnerisch oder/und statistisch ziemlich genau anscheinend dem deutschen Durchschnitt. Für Marketing-Leute ist das interessant, sie stellen neue Produkte zu Testzwecken in die Regale der Supermärkte dieser Stadt – das geht aber noch weiter….die teilnehmenden Familien bekommen ihre Werbe-Spots überlagert und haben auch extra Werbung in der kostenlosen erhältlichen Zeitschrift – so kann genauer die Wirkung getestet werden – von der Werbung zum Kaufimpuls!

Was hier nicht ankommt – kommt laut Bericht der Süddeutschen auch nicht auf den Markt.

Das Kaufverhalten wird genau analysiert – Werbebeiträge verändert, verkürzt, verlängert….da frage ich mich – was genau kann dort noch ausprobiert werden?

 

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-deutsche-testmarkt-das-hassloch-experiment-1.907694

 

 

 

 

 

Quellen:


Artikel: Konsumieren gegen den inneren Mangel? Von Yesche Udo Regel
Wie die zeitgenössischen Werbetechniken nicht nur das Konsumverhalten beeinflussen, sondern auch die kapitalistische Ideologie stabilisieren.
Bundesarchiv, Bild 183-H0812-0031-001 / CC-BY-SA von Armin Stalder
Quelle: http://le-bohemien.net/2013/04/16/zeitgeist-der-werbung/
Alles Schall und Rauch: Edward Bernays: Die Gehirnwäsche einer Nation http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2007/04/edward-bernays-die-gehirnwsche-einer.html#ixzz3c6mvJCC9
http://www.wortbedeutung.info
http://definition-online.de/beduerfnis/
Zygmunt Bauman; „Leben als Konsum“- Hamburger Edition- Deutsche Ausgabe 2009